Darf’s ein bisschen Mehrwert sein? Der Nutzen von werteorientierter Markenkommunikation

mehrwerte

Dieser Beitrag basiert auf dem Paper zu meinem Vortrag beim Bierend, Zeller & Partner Markttreffen 2015 in Hamburg.

HALLO!

Mit diesem Kommunikationseinstieg beginnt häufig der Austausch von Informationen, deren Gewichtung oder Bewertung. Unsere Kommunikation etwas einseitiger verlaufen – ich schreibe und sie lesen. Vorausgesetzt, dass Sie Interesse an meinen Ausführungen haben. Falls nicht, wird dieser Blog schnell geschlossen und Sie wenden sich spannenderem zu, z.B. einem Gesprächspartner, echtem Austausch. Jeder weiß, dass mancher Abend am Küchentisch viel zu schnell vorbei ist, während die Sonntagspredigt lang werden kann. Trotzdem erinnert die Kommunikation, die Marken über Jahrzehnte betrieben haben eher dem Wort von der Kanzel.

Marketer nennen das PUSH-Kommunikation – das Prinzip Zeitungsanzeige. Eine Annonce, ein Plakat, ein Spot wird gegen Geld platziert und schreit möglichst Laut ihre Nachrichten in die Welt, ohne auf direkte Antwort zu hoffen. Das Zauberwort: „Awareness“ – auffallen, damit sich Menschen, so die Hoffnung, zum richtigen Zeitpunkt erinnern und kaufen, am besten direkt.
In diesem Beitrag beschäftige ich mich damit:

  1. wieso Werbung nervt
  2. wie sich die Markenkommunikation in den letzten 100 Jahren entwickelt hat
  3. wie sie mit dem Internet rapide Fahrt aufgenommen hat und was das für die Beziehung zwischen Marke und Mensch bedeutet
  4. wie man die Beziehung durch Empathie verbessern könnte (am Beispiel meines Telekommunikations Anbieters)

Wieso Push-Kommunikation die Menschen nervt:

„Ah, Ihr macht also Werbung …? Werbung nervt doch nur noch!“

Diesen Satz höre ich häufig, wenn ich gefragt werde was ich beruflich mache. Ich kann es niemandem übel nehmen, wenn er möglich schnell nach einer Schublade für mich sucht: Wir werden täglich mit Informationen zugeschüttet. Wissen und Informationen sind überall innerhalb von Sekunden erreichbar und können sofort, situationsbedingt weitergeleitet werden. Um in diesem Datensmog nicht den Verstand zu verlieren schützen wir uns in dem wir sortieren. Nach Relevanz. Wir sind inzwischen Meister darin, wichtige von unwichtigen Informationen zu trennen und wir entscheiden situativ: Kann ich gerade gut gebrauchen, könnte mir später einmal nützlich sein, Werbung (sinnlos, interessiert mich nicht) …

Also beschaffen wir uns die Information die wir brauchen am liebsten selbst: Das Marketing nennt es Gegensatz zur eben beschriebenen PUSH-Kommunikation „PULL“ also heranziehen. Das Internet ist – nicht zuletzt dank google – das effektivste PULL-Medium. Inhalte werden situations- und interessenbedingt herangezogen.

Auch viele Marken haben das bereits erkannt und beginnen über Themen nachzudenken, die für Menschen entweder gerade oder zumindest später nützlich sein können. Nach kurzzeitiger Entfremdung zwischen Marken und Menschen geschieht eine Rückbesinnung auf eine kundenorientierte Form der Kommunikation:

Dem Angebot von Mehrwerten.

Was aber sind Mehrwerte?

Bikes
Leihräder des Factory Hotels in Münster

Stellen sie sich vor, sie sind auf Geschäftsreise. Sie übernachten in einem Hotel, etwas außerhalb des Zentrums gelegen. Beim Check-In erfahren Sie, dass Sie während Ihres Aufenthalts kostenlos Fahrräder oder einen E-Smart zur Verfügung steht, um damit in die City oder zu ihren Terminen zu fahren. Würden Sie beim nächsten Besuch in dieser Stadt nicht wieder darüber nachdenken in diesem Hotel zu übernachten? Wahrscheinlich, denn der Mehrwert übertrifft die Nachteile bei weitem.

Hier zeigt sich, dass Angebote, die auf einer empathischen Betrachtung von Bedürfnissen beruhen, viel mehr erreichen können, als es PUSH-Kommunikation wie Newsletter, Mailings oder Anzeigen mit dem Hinweis auf freie Kontingente oder günstige Angebote könnte. Ein Mehrwert entsteht, weil ein Bedürfnis erkannt und im direkten Kontakt befriedigt wird, auch wenn es nicht zu 100% zum Kerngeschäft gehört – ganz einfach Kundenorientierung an Markenkontaktpunkten.

Als Berater in einer Kommunikationsagentur verstehe ich unsere Aufgabe als Arbeit an der Schnittstelle zwischen Marken (mit Mehrwerten, Kreativität), Menschen (denen man emphatisch begegnen sollte) und Technik (dem jeweiligen Medium). Uns geht es darum Marken mit Menschen zu verbinden. Dafür gibt es verschiedene Gelegenheiten und Kontaktpunkte und eine menge technische Möglichkeiten, die wir nutzen können, aber trotz aller Digitalisierung nicht zu wichtig nehmen sollten.

Es gibt nicht wenige Parallelen zu menschlichen Beziehungen, z.B. zu Jugendlichen, die die in der Disko versuchen beim anderen Geschlecht zu landen. Meine Erfahrung: Angeber oder Zicken haben selten große Erfolgsaussichten.

Zurück zu Marken und Menschen. Am Anfang eines Projektes beschäftigen wir uns mit unseren Auftraggebern mit diesen Fragen:

  1. Wieso machen wir das? Was treibt uns an?
  2. Welche Mehrwerte bieten wir, damit Menschen sich für uns interessieren? Oder einfacher: Welches Problem lösen wir für sie?
  3. Wie kann es gelingen, dass Menschen sich freiwillig, aus eigenen Stücken für den Fortbestand unserer Marke interessieren und sie sogar verteidigen? (Denken Sie an die erschreckende Gleichgültigkeit bei der Schlecker-Pleite, die viele Menschen den Job gekostet hat und die große Empörung als Kinderschokolade das Gesicht auf der Verpackung verändert hat.)

In der Markenwahrnehmung beobachten wir zur Zeit einen Wertewandel, in dem nicht länger das Produkt der Held ist und Marken zu Ikonen erhoben werden – das gelingt nur noch wenigen Unternehmen. Man kann regelrecht beobachten, wie sich Marken wieder auf Menschen zubewegen, sich für sie interessieren, ihre Freunde werden wollen.

Aber wie kam es zur Entfremdung?

In der Geschichte haben immer Attribute wie der Zeitgeist, Wertvorstellungen und die zur Verfügung stehende Technologie die Kommunikation von Marken und Produkten geprägt:

Während und nach der Industriellen Revolution mussten sich die Märkte erst entwickeln. Also war es die Aufgabe des Marketings die Konsumenten zu Informieren und zum Konsum zu erziehen. Mehr gab es nicht zu tun.

In den 1950er Jahren vollzog sich in den USA eine kreative Revolution. Man erkannte, dass es sinnvoll ist, einkaufende Menschen ernst zu nehmen. Ziel der Werbung war es nun Nähe zu schaffen, damit eine echtes Interesse für Produkte und Dienstleistungen entstand.

Was dann 1995 begann, war die digitale Revolution, auf die ich etwas detaillierter eingehen möchte:

Das Web 1.0 verknüpfte Texte und Seiten über Hyperlinks. Das bedeutete, dass spätestens nach der Einführung von DSL und Flatrates der Zugang zu Informationen und Wahrheiten leicht war. Die Kommunikation wurde sukzessive digitalisiert, was weitreichende folgen für die Markenkommunikation hatte:

Es existierten keine Erfahrungen (Grundregeln, Umgangsformen) in der digitalen Kommunikation, also mussten sie  durch Erfahrungen definiert werden

  • Das Tempo, in dem Nachrichten herausgegeben werden konnten, stieg rapide an
  • Die Reaktionszeiten auf Ereignisse verkürzten sich
  • Jede digitale Interaktion wurde messbar
  • Das direkte Gegenüber verschwand aus dem Fokus

Gesellschaftlich entstanden völlig neue Möglichkeiten: Es gab traditionelle Branchen und neue Berufsfelder, alte Werte und neue Wahrheiten, sichere Anlagen und neue Märkte, die genauso plötzlich wie sie aufgetaucht waren, wieder in sich zusammenfielen. Das war schwer zu verstehen und konnte auch nicht umkommentiert so stehen gelassen werden …

So entstand eine neue Version des Internet, das Web 2.0. Nutzer schlossen sich in Social Networks zusammen. Mit dem Ziel sich gegenseitige zu inspirieren und Bedeutsamkeit zu schaffen, begannen sie Inhalte im Web mit Ihren Freunden und Gleichgesinnten zu teilen. Neu war, dass veröffentliche Inhalte von jedem kommentiert oder bewertet werden konnten. Das hatte den positiver Nebeneffekt, dass unweigerlich die Inhalte besser wurden, sich Mehrwerte für den Besucher häuften. Denn es war plötzlich möglich, sich mit relevanten Inhalten zu profilieren. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist Instagram. Auf dieser Plattform lernen Menschen bessere Fotos zu machen, weil sie dadurch Anerkennung ernten.

Mehrwerte werden aber seit dem auch von klassischen Marken und Produkten erwartet. Sie sollen etwas maßgebliches zum Leben beitragen, sogar Werte verkörpern, neu denken. Kampagnen und jede Form der Außenkommunikation können genauso selbstverständlich auch bewertet und kommentiert werden. Online Shopping ist Teil der Alltagskultur, Onlinewerbung verändert sich. Aufgrund von Algorithmen und Personalisierung versucht sie Zielgruppen schärfer zu fassen, relevantere Angebote zu machen. Viele Nutzer fühlen sich belästigt, weil der Mehrwert häufig ausbleibt, die Penetranz und Verfolgung aber hoch ist.

Gleichzeitig werden viele gesellschaftliche Grundregeln auf den Kopf gestellt. Die „Generation Y“, die 18–36 jährigen werden in den nächsten Jahren als „Generation der Erben“ über Kaufkraft in Billionen verfügen, aber auch viele Baustellen Ihrer Vorgängergeneration aufräumen müssen. Sie haben das Ende der New-Economy, 9/11,  Fukushima, Finanzmarkt- und Flüchtlingskrise erlebt und gelernt, dass Katastrophen normal sind. Grund genug für sie die Spielregeln zu ändern.

Die Frage lautet immer öfter: „Was brauche ich wirklich um glücklich zu sein?“

Networts_startups
verschiedene Social Networks und Startups

Die Antworten sind vielschichtiger, als bei der konsumorientierten Generation X: Eigentum ja, aber nur dann wenn es nachhaltig sinnvoll ist, es keine bessere Alternative gibt. Beispiele dafür gibt es zuhauf und es entstehen neue Produkte und Dienstleistungen aus dieser Haltung:

Musik wird nicht mehr gesammelt, sondern einfach nur gehört (spotify). Wohnungen werden zu Bed and Breakfasts (airbnb). Mobilität wird neu gedacht (car sharing z.B. mit car2go). Das Fernsehen wird zunehmend uninteressanter weil es unflexibel ist und Youtube formt die neuen Stars. Der Second Screen (Fernsehen auf Abruf mit Zusatzinformationen/Mehrwerten) wandelt sich zum First Screen. Der Bildschirm wird sicherlich seinen Platz als Lagerfeuer im Wohnzimmer behalten, aber die Menschen werden sich vor ihrem eigenen Programm versammeln. Das Denken bleibt global das handeln wird lokaler. Der alte Slogan wird mehr und mehr Realität. Europa bleibt für viele abstrakt, die eigene Region ist greifbar, Menschen fühlen sich zugehörig.

Viele dieser Beobachtungen unterstützt die Studie: Understanding Global Millenials die 2014 im Auftrag des britischen Unternehmenssoftware-Herstellers SDL herausgegeben wurde. Befragt wurden mehr als 1.800 Vertreter der Generation Y im Alter von 18 bis 36 Jahren zu Ihrem Verhalten als Konsumenten.

Sie fühlen sich unverstanden: ein Drittel von ihnen hat das Gefühl, dass der Großteil der Marken nicht weiß, wie man sie anspricht.

Sie sind always on(line): Sie checken durchschnittlich 43 täglich mal Ihr Smartphone und zwei Drittel von ihnen nutzen mindestens zwei unterschiedliche Geräte um ins internet zu gelangen.

Sie sind aufgeklärt: Sie wissen, dass Unternehmen Daten über sie erheben und fast die Hälfte von ihnen können diese Daten sogar genau identifizieren. Ihre Akzeptanz für diese Datenerhebung steigt, wenn die Marken transparent mit den Daten umgehen. 50% der Befragten würde die Informationen sogar freiwillig herausgeben, wenn sich daraus ein relevanter Nutzen für sie ableiten ließe.

Sie verlassen sich auf Empfehlungen durch Freunde und eigene Erfahrungen: Neue Inhalte entdecken sie hauptsächlich über Empfehlungen in Social Networks. Diese Empfehlungen ranken mit 63% in der Wahrscheinlichkeit das ein Angebot von Ihnen angenommen wird fast so hoch wie eigene Erfahrungen mit Marken mit 71%.

Sie sind selbstbewusst: 50% erwarten von Unternehmen, dass sie mit ihnen auf dem Kanal ihrer Wahl interagieren können, dann wenn sie es wollen. Sie erwarten eine konsistente Ansprache auf allen Kanälen. Fünf von sechs verbinden sich mit Marken in Social Networks, erwarten dafür aber eine Gegenleistung, einen Mehrwert.

Aus diesen Erkenntnissen leiten sich fünf Empfehlungen für das Marketing ab, die ich frei so zusammenfassen würde:

  1. Denken Sie weniger in Kampagnen, mehr in Interaktion
    • Bieten Sie Kontakten echte Mehrwerte, die sie nur bei Ihnen finden
    • Investieren Sie in ihre Marke
  2. Verstehen Sie Kommunikationskanäle als Teil Ihrer Kommunikationsinfrastruktur
    • Schaffen sie ein konsistentes Markenerlebnis auf jedem Kommunikationskanal auf dem Sie auf Ihre Kunden treffen und nutzen sie die Vorteile des Kanals und
    • verknüpfen sie verschiedene Kanäle
  3. Schaffen SIe relevante Inhalte und finden Sieauf diese Weise Interessenten
    • Lernen Sie alles über Ihre Zielgruppe und liefern Sie Ihnen die Inhalte, die sie
    • erwarten, um ihre Aufmerksamkeit zu erhalten
    • Nutzen Sie Social-Networks um Ihre Inhalte entdecken zu lassen
  4. Wählen Sie die richtige Sprache:
    • Sprechen Sie mit Menschen in der Sprache, die sie bevorzugen und verstehen, um die Bindung zu erhöhen
  5. seien Sie ehrlich
    • Geben Sie offen zu, welche Daten Sie sammeln und erklären Sie welche Mehrwerte Sie daraus generieren

Das Internet hat es in den letzten 20 Jahren geschafft zu einer Infrastruktur zu werden, die Menschen mit gleichen Werten in Echtzeit verbinden kann. Egal wo auf der Welt. Der arabische Frühling ist vielleicht das eindrucksvollste Beispiel der Macht dieser Infrastruktur zur Veränderung von Gesellschaft und dem Denken von Generationen.

Vor diesem Hintergrund wird klar, dass wir in Zukunft wertvolle Produkte und Services brauchen um den Menschen diese zu verkaufen. Klar ist, Kommunikation wird schon bald nicht mehr in online oder offline gedacht, sondern muss Kanalübergreifend, integriert funktionieren. Der Trend ist Klasse, Indivdualität, Nutzen. Das System Konsum um jeden Preis wird auslaufen. Dinge und Orte werden zu Berührungspunkten mit Marken und Menschen echte Mehrwerte liefern, weil Bedürfnisse und Möglichkeiten intelligent kombiniert werden können. Deswegen sollten wir heute beginnen integriert zu denken, das bedeutet online und offline mit den jeweiligen Stärken zu verbinden.

Aber wie können Marken ihre Relevanz herausarbeiten?

Gedanken zur Marken-DNA meines Telefonanbieters

Markenkern

 

Am 14. Februar (Valentinstag) 2015 gehe ich mit meinem Sohn im Kinderwagen zum Bäcker, um Brötchen für das Frühstück zu holen. Er schläft, auf dem Kopfhörer läuft ein interessanter Vortrag den ich bei Youtube entdeckt habe – als eine SMS den Stream unterbricht:

›Lieber Kunde, Sie surfen jetzt bis Ende des Monats mit reduzierter Geschwindigkeit, da Sie die Volumengrenze Ihres SpeedOn Passes erreicht haben. Sie können Ihre Ausgangsgeschwindigkeit mit einem neuen SpeedOn Pass wiederherstellen: http://pass.telekom.de‹

Frust … Nüchtern betrachtet könnte man fragen: Wieso stelle ich mich so an? Ich habe zu viel gesurft, selbst schuld, Zwangspause, Hausarrest.

Ich würde meinen „Fehler“ sogar einsehen, wenn ich vorgewarnt worden wäre. Leider hab ich es aber erst erfahren als es zu spät war. Aber hey, kein Problem ich kann das mit Geld wieder richten. Das will ich aber nicht, denn es ist genau diese Intransparenz, die mich ärgert, ein Serviceverständnis das heute nicht mehr zeitgemäß ist: Ich will nicht mehr in Online oder Offline denken. In Zeiten von Cloud-Computing, radio.de und Spotify sind Menschen „always on“.

Nicht umsonst heißt der Claim der Telekom schon seit 2008: „Erleben was verbindet“. Daraus könnte man schlussfolgern, dass das der Unternehmenszweck, die DNA der Telekom das Verbinden von Menschen ist. Diese nutzen-orientierte Formulierung eines Angebots hilfte bei der Verbesserung der Leistungen oder dem Schaffen von Angeboten. Eine wertvolle Schlussfolgerung für meinen Telefonanbieter wäre also: Wenn ich verbinden will, sollte ich Menschen helfen die Verbindung aufrecht zu halten.

Die selbe Frage kann man sich natürlich auch im Finanzsektor stellen:

Die Aufgabe ist es einen Claim zu besetzen, ein Versprechen zu geben und das an jedem Kontaktpunkt, dauerhaft mit Wahrhaftigkeit und Mehrwerten zu füllen, sodass daraus eine schlüssige und vollständige Markenerfahrung wachsen kann.

Tut man das nicht, werden Menschen aufdecken, wenn es jemand nicht ehrlich mit ihnen meint. Man darf es nicht nur behaupten, man muss es leben.

Wie schon eingangs beschrieben geht es darum was Ihre Marke für Menschen über das Produkt oder den Service heraus leistet, dass sie sich für sie und ihren Fortbestand interessieren sollten. Vielleicht sind es die besonders freundlichen Mitarbeiter, die unaufgeregt helfen, vielleicht ist es das Prepaid Guthaben, dass mit der ersten Girokarte kommt …

  • Sie kennen Ihre jungen Kunden und wissen, dass sie Mut brauchen, weil zu scheitern das schlimmste für sie wäre. Vielleicht sind sie im „Scheitern-verhinderungs-Geschäft“ (ich glaube so handelt easy credit, aber sie besetzen diesen Claim nicht).
  • Sie wissen, dass Ihre Kunden sich um die Zukunft sorgen und einen vertrauenswürdigen Partner suchen. Vielleicht sind sie im „Sorgen-verhinderungs-Geschäft“.
  • Sie wissen, dass Entscheidungen manchmal schnell und unkompliziert getroffen werden müssen. Vielleicht sind sie im „unkompliziertheits-Geschäft“.

Mit der Hilfe der Experten, die jeden Tag mit Kunden sprechen, könnten wir jetzt die Liste an sinnvollen Unternehmenszwecken erweitern und am Ende auf einen, den entscheidenden verdichten:

Dieser Unternehmenszweck, ihre DNA, muss sie sich konsistent an jedem Berührungspunkt wiederfinden. Was ist beispielsweise der Grund in eine Filiale zu kommen? Sicherlich nicht das klassische Banking, das geht digital. Nein, das erleben der Marken DNA an diesem Berührungspunkt. Das erleben von Relevanz für den Einzelnen, das ist es was zählt.

Es gibt immer mehr Marken, die früher durch Händler vertreten wurden, die Ihre Marke in die eigenen Hände nehmen.

Beispiele sind Apple, Nike oder besonders Nespresso, die Ihre Marke perfekt an jedem Kontaktpunkt inszeniert: Nespresso, die Kaffeekapseln mit einem Preispremium von mehr als 1000% im Vergleich zu herkömmlichem Kaffee, vergleicht sich nicht mit herkömmlichem Kaffe, sondern mit der Qualität aus Bistros. Jede der farbigen Kapseln ist etwas besonderes. Man kann sie nicht im Supermarkt kaufen, sie sind sind in ihren Spots sogar für George Clooney unerreichbar. Sie werden wie Schmuck in eigenen Stores ausgestellt. Jede Sorte hat einen besonderen, stark assoziative Namen und sogar eine Charakterbeschreibung. Diese Inszenierung funktioniert. Sie funktioniert so gut, dass rational denkende Meschen sich von der perfekten Inszenierung darüber hinweg täuschen lassen, dass die wunderschönen Kapseln aus Aluminium sind, alles andere als ein Wegwerfmaterial denkt man an die Energiebilanz. Doch auch darauf haben die cleveren Schweizer eine Antwort:

positive
Nespressos Antwort für alle Zweifler: The Positive Cup (Quelle: nesspresso.com)

Wer aber diesen Kaffee einmal probiert hat weiß, Nespresso hält sein versprechen. Er kann sich mit den Kaffees aus Bistros messen. Wie lange allerdings dieses Konzept auf Abnehmer trifft, bleibt abzuwarten.

Wie kann man die Marken DNA erlebbar machen?

Markenkontaktpunkte
verschiedene Berührungspunkte von Marken und Kunden

Die Implementierung:

Die Erfahrung zeigt, dass die Reihenfolge in der eine Veränderung eingeführt wird für Ihren Erfolg entscheidend ist. Wir favorisieren dieses Vorgehen: Zunächst Intern, dann bei Partnern, zuletzt am Markt.

Gerade die interne Kommunikation der Marken-DNA und die Implementierung der strategischen Positionierung in der Unternehmenskultur bieten große Chancen für Marken. Sie stellen sich aber im Alltag oft als Hürde heraus. Denn vielfach herrscht bei der Unternehmensführung die Vorstellung, dass Veränderung von oben nach unten diktiert werden sollte.

Es ist aber entscheidend, dass Mitarbeiter die Werte, Ziele und Strategie der Marke verstehen und mittragen. Denn nur überzeugte Mitarbeiter sind authentische und unbezahlbare Markenbotschafter. Ihr Verhalten wirkt auf alle Markenkontaktpunkte. Im Arbeitsalltag oder über ihre privaten Kommunikationskanäle (Social Networks, Kununu oder persönliche Kontakte) können sie das Image ihres Arbeitgebers positiv beeinflussen.

Wer sich einmal aufmacht, die verschiedenen Berührungspunkte von Menschen mit der eigenen Marke zu zählen wird erstaunt sein. Und entscheidend für den Erfolg der Marken ist die Summe guter Erfahrungen, die mit ihr in Verbindung gebracht werden. Denn wenn es um die Meinungsbildung abseits der eigenen Wahrnehmung geht ist Mundpropaganda oder „Word of Mouth Marketing“ das Beste das einer Marke passieren kann. Menschen unterhalten sich über sie aus freien Stücken. ein vielfaches verstärken kann man den Effekt aber, wenn aus Word of Mouth Word of Web wird, Menschen die Themen der Marke freiwillig im Social Web teilen.

Und was machen wir jetzt damit?

Wir befinden uns am Anfang einer neuen Periode, in der wir viele kommunikative Lektionen gelernt und technische Möglichkeiten ausprobiert haben. Wir wissen, dass der Zugang zu Menschen mit gleichen Wertvorstellungen und Vorlieben zielgerichtet gelingen kann, wenn wir es ernst meinen. Wenn wir beginnen hinter den Zielgruppen Menschen zu erkennen, mit denen wir eine Verbindung eingehen, anstatt ausschließlich in Visits und Conversions zu denken, sind wir gut für die nächsten Aufgaben aufgestellt.

Es wird sicherlich nicht ruhiger werden. Die Menschen werden sich für relevantes interessieren, alles erfahren, sich dazu austauschen und können zu Markenbotschaftern werden, wenn es ihnen wertvoll und wichtig genug erscheint.

Mehr als jemals zuvor müssen Marken Mehrwerte für die Menschen suchen und sie inspirierend inszenieren – an allen Kontaktpunkten. Unsere Branche wird lernen, dass Täuschungsversuche wie „native advertising“ oder „product placement“ durchschaut werden und sich negativ für Marke und Medium auswirken. Wir werden lernen nicht mehr in Kanälen zu denken und statt dessen die Menschen ernst zu nehmen, die sie nutzen.

Das ist unsere Vision von Werte orientierter Kommunikation an der Schnittstelle von Kreativität, Technik und Menschlichkeit.

Apropos Menschlichkeit: Vielleicht haben sie bemerkt, dass ich mich bemüht habe die Begriffe Kunden und Zielgruppen – da wo es mir gelungen ist – durch das Wort Menschen zu ersetzen, denn Menschen wollen wir ja erreichen.

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